Zu Gast im Erzählcafé

erzählcafé (Foto: Doris Kümin)
Kürzlich besuchten wir das Erzählcafé. Seit 2016 bietet die reformierte Kirchgemeinde Höfe zusammen mit dem Seelsorgeraum Berg dieses gemeinsame, ökumenische Angebot der Seniorenarbeit an.
Doris Kümin,







«Was ist ein Erzählcafé»?
In einer Zeit, in der Kurznachrichten und Social Media weite Teile unseres Lebens bestimmen, bleiben tiefgründige Gespräche oft auf der Strecke. Erzählcafés bieten hier eine Alternative: die Idee ist, dass sich Menschen treffen und sich bewusst Zeit nehmen, einander zuzuhören und von sich selbst erzählen. Erzählcafes finden zu einem jeweiligen Thema statt und werden moderiert.

Zurück zum Erzählcafé nach Schindellegi. Doris Kümin von der ref. Kirchgemeinde Höfe und Anita Höfer vom SSR Berg trafen im Forum St. Anna in Schindellegi Vorbereitungen für die Veranstaltung. Tische und Stühle wurden parat gestellt und zum Thema passende Gegenstände auf die Tische gelegt. Das Thema dieses Erzählcafés lautete: «Vertraute und fremde Gerüche». Das Thema war schon beim Betreten des Raums spürbar. Frische Gewürze, gemahlener Kaffee, Parfüm, Räucherstäbchen, Sonnencremes, Duftperlen und mehr, lauter Gegenstände, die schmecken, duften, standen auf dem Tisch.
Da die bewährte und erfahrene Moderatorin Theresa Svensson krankheitsbedingt ausfiel, übernahm Doris Kümin die Moderation des Nachmittags. Sie begrüsst die Teilnehmenden und stimmt mit einer Geschichte auf das Thema ein.

«Frisch gebrühter Kaffee, duftendes Brot und kräftiger Mistgeruch»
Die Teilnehmenden erzählten sich Geschichten über frisch gebrühten, duftenden Kaffee am Morgen, der das ganze Haus mit Kaffeeduft erfüllte, über den Besuch in der Kindheit bei der Tante, wo man sich bei Kaffee und Kakao aufwärmte und die gemütliche Atmosphäre genoss oder an die Freitage, wenns immer Fisch gab. «Ich erinnere mich noch sehr genau an diesen speziellen Geruch» erzählte eine Besucherin. Während die einen bei der Erinnerung daran leicht die Nase rümpften, erzählte eine andere Besucherin von einer vergnügten Sommerparty und dem wunderbaren Geruch eines frischen, grillierten Fisches. Eine andere Teilnehmerin schliesst die Augen bei ihrer Geschichte über den wöchentlichen Backtag und das duftende, frisch gebackene Brot. Schon beim Zuhören lief einem fast das «Wasser im Munde zusammen». »Meine Mutter hat mich immer mit der Sonnencreme Sherpa eingecremt. Diesen Duft vergesse ich mein Leben lang nicht mehr und auch das Eincremen mochte ich gar nicht» meinte eine Besucherin. Auch der übelriechende Gülleduft war einen Beitrag wert. «In unserer Nachbarschaft gabs einen Bauernhof und immer wenn meine Mutter die frische Wäsche aufhängte, verteilte der Bauer Gülle und Mist auf den Äckern neben unserem Haus» erinnerte sich eine Dame.

Das Erzählcafé hätte noch länger dauern dürfen, so vielfältig präsentierten sich die Beiträge und Erzählungen. Aber nach rund einer Stunde Erzählcafé folgte der inoffizielle Teil bei Kaffee und Gebäck.

Das Erzählcafé ist eine wunderbare Sache, um miteinander ins Gespräch zu kommen, einander zuzuhören und die Biografie jedes Einzelnen wertzuschätzen.

Die nächsten Daten der Anlässe

» Erzählcafé-"Familientradition" am Donnerstag, 10. August 2023

» Erzählcafé-"Erntezeit" am Donnerstag, 12. Oktober 2023